Mein Fest

Fisch und Hahn

Wie ist in Frankfurt (Oder) der Hering auf’s Rathaus gekommen?

In Frankfurt wird üblich nach der Mode im Rathaus geheiratet. Die Paare lassen sich traditionell vor seinem berühmten Südgiebel fotografieren. Die Fotografen gehen tief in die Hocke, um sowohl das Paar als auch den auf dem Giebel an einer Angel schwebenden goldenen Fisch auf ein Bild zu bekommen. Schräg von unten nach oben fotografierte Bilder wirken monumental und sind eine Besonderheit der Stadt.

Während Rostock, Stralsund und Wismar keines Zeichens bedurften, weil sie anerkannt dazugehörten, zeigte Frankfurt Flagge.

»Haben ein gros stük Kupper breit geschlagen in gestaldt eines schwantzes von einem fische, ist auf beiden Seitten verguldett. Derselbe schwantz ist auf dem rathause gestanden, hadt bedeuttet, das es ein hanse Stadt gewesen.«

Eine Herings-Geschichte

Ein Frankfurter Fischer vom Kietz angelte am Holzmarkt und holte den Hering von der Pommerschen Bucht ein. Er zog ihn durchs Haff, vorbei an Schwedt, Hohenwutzen, Lebus, um ihn endlich aus dem kräftig gegenströmenden Fluss aufs trockene Frankfurter Pflaster zu bekommen. Über 200.000 Meter Schnur mussten durch die Hand.

Noch eine ganze Armlänge Schnur war dem Hering geblieben, als der Fischer mit seinem Fang in die Stadt ging. Er schwenkte die Angel mit dem Hering wie eine Peitsche. Er ging bis zur Höhe der alten trockenen Flusssandbank, wo gerade das Rathaus von Frankenvorde aufgeführt wurde.

Der Bau war errichtet worden, der Richtkranz für diese Gelegenheit war sein noch immer an der Angel baumelnder grüner Hering. Mit dem grünen Hering an der Angel bestieg er den Giebel und befestigte dort oben die Angel.

Eine Heringsreflexion

Der grüne Hering an ihr war nicht mehr frisch, aber das war das Wunder, der Hering war mit dem Bau des Erdgeschosses zu Kupper, mit dem Abschluss des unteren Giebels zu Gold geworden, beim Aufbau des oberen Giebels schlug der Grünspan durch.

Aus dem meeresgrünen Hering war ein kuppergrüner Hering geworden. War zwar noch oder wieder grün hinter den Kiemen, hatte aber kostbare Höhe gewonnen.

Kuppern solide schaukelte er im Wind und zeigte erreichbare Höhe an. Zeigte Flagge. Hier wurde der grüne Hering geschätzt, hier wurde ein einfaches Leben geführt! Ein fliegender Fisch war Markenzeichen und Marktzeichen.

Der grüne Hering ist kein Objekt der Verzückung oder der territorialgeschichtlichen Anbetung.

Nichts ist bewiesen, als dass er hängt. Von seiner Höhe aus wackelt er mitunter mit dem Schwanz oder blinzelt mit den Lochaugen. Wir, die wir am Markt und am Wasser gebaut haben, müssen mit ihm leben. Es gibt Dinge wie dieses Stück Blech, die sind schlechthin gewaltig.

Bald über 757 Jahre währende Geschichte.
Wo Essbares ist, kann Heimat sein. Hier wird nicht gehungert, das ist ein Wort. Dem Hering sei Dank.

Der Hering auf dem Rathaus hat alles gesehen in Frankfurt (Oder) - Lebenslust und Reichtum aber auch Elend, Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau.

Unser »Bunter Hering« reflektiert nicht nur die Vielfalt des HanseStadtFestes, sondern auch die vielfältigen Ansichten der Stadt und ihrer Bürger im wechselnden Licht der Tage und der Jahreszeiten.

Jener Hering, der die Zerstörung der Stadt im Krieg überstand und 1974 verrostet abstürzte, hing erst seit 1906 wieder an der Angel. Der jetzige Hering ist Produkt der umfassenden Rathausrekonstruktion der letzten Jahre. Ihm, dem Hering, sollten Ablage und Krieg erspart werden!

Der vorherige Text ist eine freie, verkürzte Wiedergabe aus »Der grüne Hering«, Band 1, von Jürgen Barber und Rudolf Hartmetz, Broschüre 1988.

Der Hering am Rathausgiebel - Wahrzeichen der Stadt.

Die Hanse hatte kein eigentliches Zeichen, Embleme, aber auch keine gemeinsame Fahne. Der Hering weist also auch nicht auf die einstige Zugehörigkeit zur Hanse hin.

Der Hering ist Hinweis auf eine wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, die heute keiner mehr erahnt.

Frankfurt war durch den Straßenzwang, das Niederlagsrecht und die Beherrschung der Oderschifffahrt bis hinauf nach Stettin ein Zentrum des Handels, des Ost-West und des Nord-Süd- Handels, auch des Handels mit Fisch. Der Heringshandel war sicher der bedeutendste Zweig des Handels mit Fischen aller Art, war doch der Hering die wichtigste Fastenspeise des Mittelalters.

Noch am Anfang des 16. Jahrhunderts sollen wöchentlich etwa 2400 Tonnen Hering in Frankfurt (Oder) angekommen sein. In Frankfurt (Oder) wurde der Hering zum Kauf angeboten, er wurde umgeladen und weiter transportiert. Frankfurt hatte eine Bedeutung im Heringshandel, auf die man auch noch heute im Museum Viadrina stoßen kann; hier sind Heringstonnen, die Transportbehältnisse für den Hering zu sehen. Eine Heringstonne mit Frankfurter Maß fasste etwa 105 Liter. Die genaue Einhaltung der Größe der Transportbehältnisse wurde mit einem Maß geprüft (auch dieses ist im Museum ausgestellt).

Frankfurt (Oder) als Handels- und Hansestadt

In Frankfurt (Oder) kam es im Mittelalter zu einer hohen Handelskonzentration. Durch den Ausbau des Flussübergangs zum günstigsten Pass zwischen Breslau und Stettin, durch das politische Vermögen, Wegezwang und Niederlagerecht durchzusetzen, durch die aktive Integration in Städtebünde und das hansische Wirtschaftssystem erlangte Frankfurt (Oder) eine Schlüsselstellung im Handel zwischen westeuropäischen Ländern und Polen. Die Stadt wurde wichtigstes städtisches Zentrum der Mark Brandenburg und bedeutendster Binnenhandelsplatz Nordostdeutschlands. Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 rangierte Frankfurt ökonomisch vor allen anderen brandenburgischen Städten.

Die einzigartige Stellung dieser Stadt im nordostdeutschen Raum war im wesentlichen durch die Teilnahme am hansischen Haupthandel bestimmt. Hier wurden in großem Umfang flandrische Tuche und skandinavische Fische, vor allem Salzheringe als wichtigem Grundnahrungsmittel jener Zeit, gegen die Getreideüberschüsse der märkischen Lande und Polens ausgetauscht.

Seit seiner Gründung bildete Frankfurt (Oder) enge Beziehungen zu den Seestädten heraus, die sich ab der Mitte des 14. Jahrhunderts zur Städtehanse zusammenschlossen. Mit der Einbeziehung in die so genannte »Korrespondenz« der Städte von 1368 manifestierten sich auch politische Beziehungen.

Zugleich gehörte Frankfurt mehrfach märkischen Städtebünden an. Erst 1430 wurde Frankfurt auch formell Mitglied der Hanse und gehörte zum »Wendischen Quartier«. Für die Städte der Mittelmark hatte Frankfurt eine Führungsfunktion inne und hielt im Auftrage der Hanse auch die Verbindungen nach Breslau und Krakau.

Nach dem »Berliner Unwillen« (1447/48) gingen die hohenzollerschen Landesherren gegen die Autonomie der brandenburgischen Hansestädte vor und erzwangen deren Rückzug aus dem Bündnis. Als letzte märkische Stadt schied Frankfurt (Oder) 1525 aus der Hanse aus.

1490 hatten Frankfurt (Oder) und Breslau eine kaiserlich privilegierte Monopolstellung für den oderüberschreitenden Handel erhalten, der beide Städte zu Schaltstellen des mitteleuropäischen Ost-West-Handels machte. Dieser Sonderstatus für Frankfurt und Breslau wurde letztmals 1565 bestätigt. In der Folgezeit gewann die Residenzstadt Berlin größere wirtschaftliche Bedeutung als Frankfurt (Oder), das jedoch bedeutende Handels- und Messestadt bis in das 19. Jahrhundert blieb.
(Quelle: Museum Viadrina)

Frankfurt (Oder) ist stolz auf seine Tradition als Wissenschafts-Stadt: Im Jahr 1506 gab es einen großen Stadtumzug, als die Alma Mater Viadrina gegründet wurde, dieses Diorama im Museum Viadrina erinnert an den großen Tag. Im Jahr 2006 feierten Stadt und Universität gemeinsam die 500. Wiederkehr des Gründungstages.

Das Frankfurter Niederlagsrecht, die Zöllner und Selhausmeister

Während des Stadtgründungsprozesses vom 11. bis zum 13. Jahrhundert verlieh der Landesherr vielen Städten besondere politische, ökonomische und juristische Privilegien. Dazu konnte auch das Niederlags- oder Stapelrecht gehören. Dieses auch Frankfurt (Oder) verliehene Recht besagte, dass fremde Kaufleute bei ihrem Durchzug durch die Stadt ihre mitgeführten Waren drei Tage feilbieten, d. h. den Frankfurtern zum Verkauf anbieten mussten. Eine Bestimmung besagte jedoch, dass man sich davon auch freikaufen konnte. Das Niederlagsrecht war ein besonderer Vorteil für die Frankfurter Kaufmannschaft, die ihr »Vorkaufsrecht« nutzte, um ihre Position im Zwischenhandel auszubauen und zu stärken. Mit der Niederlagegerechtigkeit waren Wegezwang und Geleitrecht verbunden, die entweder von städtischen Bediensteten oder von landesherrlichen Hauptleuten durchgesetzt wurden.

»In Frankfurt (Oder) kam es im Mittelalter zu einer hohen Konzentration von Handelskapital. Durch den Ausbau des Flussübergangs zum günstigsten Pass im Bereich der mittleren und unteren Oder zwischen Breslau und Stettin, durch das politische Vermögen, Wegezwang und Niederlagerecht durchzusetzen und durch die aktive Integration in Städtebünde und das hansische Wirtschaftssystem erlangte Frankfurt (Oder) eine Schlüsselstellung im Handel zwischen westeuropäischen Ländern und Polen, wurde wichtigstes städtisches Zentrum der Mark Brandenburg und bedeutendster Binnenhandelsplatz Nordostdeutschlands. Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 rangierte Frankfurt ökonomisch vor allen anderen brandenburgischen Städten.
Frankfurts einzigartige Stellung im nordostdeutschen Raum war im wesentlichen durch die Teilnahme am hansischen Haupthandel bestimmt, dem massenhaften Austausch von flandrischen Tuchen und skandinavischen Fischen, vor allem Salzheringen, als wichtigem Grundnahrungsmittel jener Zeit, gegen die Getreideüberschüsse der märkischen Lande und Polens. Frankfurt war als binnenländischer Hauptumschlagplatz maßgeblich in die Arbeitsteilung großer unterschiedlicher Produktionsräume einbezogen.« (R. Schulz)

Zur Verwaltung der Stadt, zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und auch zur Durchsetzung des Niederlagerechtes, bedurfte es der »geschworenen Ratsdiener«, die in einem festen Lohnverhältnis standen und außer ihrem Gehalt meist noch Sondervergünstigungen bei Ausübung anderer Dienstleistungen erhielten.
Im Stadtbuch von 1516, das im hiesigen Stadtarchiv aufbewahrt ist, hat uns Stadtschreiber Nikolaus Teymler eine Aufzählung von Dienern, ihrer hauptsächlichsten Pflichten und ihrer Entlohnung hinterlassen. Darin tauchen u. a. die Selhausmeister und Zöllner auf, deren Tätigkeit insbesondere mit der Durchsetzung des Niederlagsrechts in Verbindung stand.

Der »Zöllner« oder auch Makler genannt, hatte sämtliche Zölle und Niederlagsgelder einzutreiben. So von den Kaufleuten, die mit ihren Waren über die Oder wollten und dies wegen des Wegezwangs nur in Breslau oder Frankfurt (Oder) durften. Für die Beachtung dieses Wegezwanges sorgten die Reitknechte der Stadt. Lediglich die Bürger der Mark Brandenburg brauchten keinen Zoll zu entrichten, nur Fische und Heringe mussten sie zur Niederlage bringen, dort ausladen lassen und Niederlagsgeld dafür zahlen.
Kaufleute aus anderen Gegenden mussten dagegen alles verzollen und ihre Waren drei Tage auf der Niederlage oder den Märkten auslegen, also zum Verkauf anbieten und außerdem das Niederlagsgeld sowie das Ab- und Aufladen der Waren bezahlen.
Die Höhe der Zölle richtete sich nach den gebräuchlichen Maßen und Gewichten. Der Zöllner war sicherlich auch gleichzeitig der Wiegemeister des Rates. Nachdem der Zöllner den Zoll und das Niederlagsgeld kassiert hatte, bekam der fremde Kaufmann eine Bescheinigung, die er in der Niederlage (Selhaus) den Selhausmeistern (sellen = verkaufen, veräußern) vorzeigen musste. Für die ausgeladenen Waren erhob der Selhausmeister die Abgaben für die Stadt und die Gebühren für sich und seine Knechte.

In Frankfurt (Oder) gab es zwei Niederlagen, die in den Stadtansichten des 16. Jahrhunderts deutlich zu erkennen sind, sie standen beide unmittelbar an der Oder. Die alte Niederlage lag zwischen der Oderbrücke (heutige Brücktorstraße) und dem Straßentor, das zur Breiten Straße (heutige Slubicer Straße) gehörte, und wo seit 1895 die erste steinerne Oderbrücke über den Fluss führt. Hinter diesem Tor befand sich auf der Breiten Straße der alte Fischmarkt und in dessen Verlängerung der Kornmarkt.
Weiter südlich, nahe der Giebelgasse (heutige C.-Ph.-E.-Bach-Straße), von wo aus ebenfalls ein Straßentor (das Fischtor) zur Oder führte, lag die neue Niederlage. Innerhalb der Stadtmauer, vom heutigen Museumsgebäude (Junkerhaus) bis zur Forststraße hin, erstreckte sich der neue Fischmarkt. In der Ausstellung des Museums Viadrina sind eine Heringstonne, ein Warenfass aus der Zeit der Hanse und der so genannte »Frankfurter Maklerstab«, ein Hilfsmittel des Zöllners/Maklers zur Berechnung der zu verzollenden Ware im Original zu sehen. (Martin Schieck)